Samstag, 27. März 2010

Irgendwie geht es immer weiter


Dispensary in Tanganyika Mazagati


Am Sonntag starten wir 06.00 Uhr, noch im Dunkeln, zu den beiden Dispensaries des Lugala Hospitals, nur ca. 50 km Luftlinie entfernt. Dazwischen liegen 2 Flüsse, das Übersetzen erfolgt mit Einbäumen – mit dem Auto und insgesamt 9 Personen müssen wir den Umweg über Ifakara nehmen, ca. 350 km Piste für jede Strecke hin und zurück. Nach einer knappen Stunde ziehen wir mit unserer Seilwinde ein Auto aus dem Graben, nach weiteren 30 min bleiben wir selbst liegen. Der Schaden ist schnell behoben, das Auto kam ohne Kühlwasser nach der Durchsicht aus der Werkstatt. 4 l Trinkwasser gehen dafür drauf. Hinter Ifakara, auf der anderen Flussseite, stecken wir nach ca. 1h in einem riesigen grundlosen Schlammloch fest, neben uns ein LKW, etwas später folgt ein Minibus. Bis zur Weiterfahrt aus diesem ersten Matschhindernis vergehen 2 h, unser Etappenziel wollten wir vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, das werden wir nicht mehr schaffen. Drei weitere ähnliche Durchfahrten machen wir mit Knüppeln, Buschwerk und Elefantengras passierbar. Mama Chogos unentwegtes Beten hilft sicher auch. Insgesamt brauchen wir an diesem Tag knapp 15 h, dann sind wir in Taveta. Unsere Herberge, ein altes Kloster auf einem Berg, scheint völlig aus der Zeit gefallen - breite Holztreppen, hohe Balkendecken, Spinnweben und Staub – wie ein Geisterschloss. Ein Pater und zwei Nonnen leben noch hier, wir sind seit knapp einem Jahr die ersten Gäste und werden umso freudiger empfangen. Jeder findet ein Bett.



Hier geht es locker drüber


Der nächtliche Regen verheißt nichts Gutes für unsere Weiterfahrt. Von der gepriesenen Aussicht sehen wir am Morgen nichts, die Wolken hängen tief, es regnet in Strömen. Bis zur ersten Außenstelle sind es ca. 15 km, nach ca. 4 km ist an einer verrutschten Brücke für das Auto endgültig Schluss- hier hilft auch kein Beten und wir gehen zu Fuß. Der Weg ist inzwischen ein Bach, rechts und links von Elefantengras zugewachsen, dazu der unaufhörliche tropische Regen. Wenigstens ist es nicht kalt. Unsere Bananenblattschirme sehen sicher gut aus, sind aber völlig nutzlos. Nach ca. zweieinhalb Stunden erreichen wir Tanganyika Mazagati, das Ende der Welt, hier geht nicht einmal ein Pfad weiter. Von unserer Ankunft am heutigen Tage wusste man nichts, die Stille Post war offensichtlich nicht schnell genug. Es ist kaum vorstellbar, dass in so abgelegenen Gebieten überhaupt eine medizinische Versorgung möglich ist. Die Kinder werden geimpft, vorausgesetzt die Mütter kommen mit ihnen, Malariamedikamente werden verteilt. Auf dem Rückweg bleibt es von oben trocken und Taveta bietet tatsächlich wunderschöne Ausblicke über die grünen Hügel Afrikas.



Taveta


Am nächsten Morgen erwarten uns die bekannten Schwierigkeiten, wir kommen trotzdem recht schnell in Ngalimila an. Hier sind die Zustände besser als erwartet, dennoch schlecht. Das Elend ist ziemlich deprimierend, die extra unseretwegen geschlachteten Hühner mit Reis auf den Tisch gezaubert, dürfen wir trotzdem nicht ablehnen.

Auf der Weiterfahrt nach Ifakara kommen wir nicht aus der Übung: Schlammlöcher präparieren, Allrad einschalten und irgendwie durchrutschen. Unser Fahrer weist die nötige Erfahrung auf.


Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen am nächsten Morgen auf dem Markt in Ifakara Obst, Gemüse und ein paar Gartengeräte. Charles will endlich loslegen. Auch auf dieser Flussseite hat es inzwischen kräftig geregnet und eine Autostunde vor Lugala geht nichts mehr. 3 LKW liegen quer, sind in den Graben gerutscht und blockieren den Weg, für uns heißt es warten. Es gibt großes Palaver, irgendwann ist eines der Fahrzeuge wieder flott und für uns eine Durchfahrt möglich. Diese Schlammstellen sind den Anwohnern nicht unwillkommen – sie helfen mit Hacke und Spaten und werden für diese Hilfe bezahlt. Es besteht also keine Veranlassung, die Straßen einigermaßen in Ordnung zu bringen.


Für die Regenzeit- und dabei fängt sie gerade erst an- gilt: Allrad, Schaufel, Hacke, Buschmesser, Gummistiefel, Bretter zum Unterlegen, fahrerisches Können und für manchen auch Gottvertrauen – irgendwie geht es immer weiter.

Kommentare:

  1. Klingt alles sehr interessant - da könnt ihr euch ja schön in Geduld üben... :-)

    Ab sofort ist es auch möglich, ohne eigenes google-Konto als Anonym einen Kommentar zu veröffentlichen.

    Liebe Grüße, Claudia

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Ihr Lieben, herzlichen Glückwunsch zu den ersten Erlebnissen in Tansania und die hervorragende Beschreibung darüber (wo, zum Teufel,kommen die vielen LKW vor Lugala her?)-
    Glück auf
    von Anonymus aus Wampen

    AntwortenLöschen
  3. Ganz schön aufregend Euer neues Leben - schön, dass Ihr uns daran teilhaben laßt!
    Liebe Grüße, Jutta & Ingo

    AntwortenLöschen
  4. Danke für Eure interessanten Berichte. Man bekommt direkt Sehnsucht nach Afrika, und alte Erinnerungen kommen wieder hoch. Im Oktober 1993 sind wir bei unserer vierwöchigen Zeltsafari von Kenia nach Zimbabwe in Eurer Nähe gewesen. Auch damals hat es in Strömen geregnet, und unser Jeep mußte nach Iringa in die Werkstatt (Achsbruch).
    Wir wünschen Euch recht frohe Osterfeiertage und weiterhin tolle Naturerlebnisse sowie viel Erfolg bei Eurer Arbeit.
    Herzliche Grüße von Inge und Bernd

    AntwortenLöschen