Donnerstag, 2. Februar 2012

Geschichten

Puffotter - schön aber gefährlich

Ihr Biss endet meist tödlich, wer es rechtzeitig zur Behandlung schafft, verliert vielleicht "nur" Arm oder Bein.

Eines abends bat Mama Chogo, Makali möge sie doch bitte mit dem Hospitalauto von ihrer shamba abholen. Es war spät geworden und in der Dunkelheit wollte sie nicht mit dem Rad nach Hause fahren. Ein paar Tage später meinte sie auf meine Frage, ob sie sich im Dunkeln nicht vor Schlangen fürchtet, nein, sie zieht immer Gummistiefel an, deshalb fürchte sie keine Schlangen, aber vor Löwen hätte sie Angst und Makali hätte auf dem Weg zu ihrer shamba auch einen gesehen. Meine skeptischen Blicke sind ihr natürlich nicht entgangen und ich fragte noch einmal, ob sie tatsächlich Löwen gesagt hatte. Sie bestätigte es. Wir haben hier schon etliche Geschichten gehört und vieles darf man nicht so ernst nehmen. Auch wenn Mama Chogo eine absolut glaubwürdige Person ist, dass es hier Löwen geben soll, glaube ich nicht.

Aber darüber kamen mir ganz andere Gedanken: die in den umliegenden Dörfern oder abseits irgendwo im Busch lebenden Menschen verlassen diese Region ein Leben lang nicht - und so werden sie wohl niemals in ihrem Leben all die Tiere ihres Heimatlandes sehen, die jeder Afrika-Tourist in den Nationalparks aus unmittelbarer Nähe beobachten kann. In Deutschland können selbst Kinder im heimischen Zoo Elefanten, Löwen, Zebras, Nashörner usw. bestaunen.

Neugierige Zebras im Mikumi-Nationalpark

Nicht einmal Giraffen, das Nationalsymbol Tanzanias, werden die Leute hier sehen, bestenfalls kennen sie diese anmutigen Tiere aus den Schulbüchern ihrer Kinder.

Stolze Giraffen - Symbol Tanzanias

Dagegen sind unliebsame Begegnungen mit Krokodilen und Nilpferden beim Fischen oder Durchqueren des Furua oder Mnyera gar nicht so selten. Wer es überlebt, trägt furchtbare Verletzungen davon. Diese Patienten hören dann im Hospital nicht ohne Stolz auf Namen wie Kiboko (Nilpferd) oder Mamba (Krokodil).

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Unser Tischler Lyabonga hat das Arbeiten wahrlich nicht erfunden, für ein Schwätzchen ist er dagegen gern zu haben. So standen wir am Hauseingang und beliebte Themen sind immer die shamba und das Wetter. Er ist derzeit ganz zufrieden mit seinem Reisfeld. Ich erzählte ihm, dass uns in Deutschland, wenn wir in Kürze zurückkehren, eisige Kälte und Schnee erwarten, zeigte ihm Winterfotos von unserem Garten und sagte, dass es viel kälter ist als im Bier-und-Cola-Kühlschrank in Makassys Bar. Anders kann man Frost hier niemandem erklären. Auch wenn die Leute die schneebedeckten Bäume auf Bildern sehen und ihnen die weiße Pracht gefällt, kann sich niemand vorstellen, wie sich Schnee anfühlt und sie fragen ernsthaft, wie man bei Minusgraden überleben kann.

Hier haben Regen und Wärme der letzten Wochen für üppiges Grün gesorgt und ein Hospitalarbeiter war noch beim Grasschneiden. Daneben weidete die Kuh des Pfarrers.

Gras für die Kühe in Deutschland?

Ich erzählte Lyabonga, dass man bei uns das geschnittene Gras im Sommer trocknet, um im Winter, wenn alles verschneit ist, die Tiere mit dem Heu zu füttern. Auch hier gibt es während der Trockenzeit einige Monate kein frisches Grün, alles ist verdorrt. Der Grasschnitt wird ebenfalls getrocknet- und anschließend verbrannt. Da wir ja nun bald nach Hause zurückkehren und es schließlich jetzt verschneit ist, fragte er mich, ob ich denn das Gras nicht mit nach Deutschland nehmen wolle....

B.

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