Donnerstag, 8. Juli 2010

Große Ernüchterung

Der schöne Traum ist zu Ende. Nun empfinden wir es als Vorteil, fern jeglicher Berichterstattung zu sein. Hier gibt es keine Zeitung, kein Radio, kein Fernsehgerät (außer für Fußball und Bollywood) und so werden wir –wenn wir nicht in´s Internet schauen - an den gestrigen Fußballabend nicht mehr erinnert.
Hier lebt man im Heute und Jetzt, was gestern war, ist vorbei und was morgen sein wird, darüber macht man sich heute keine Gedanken. Auf den Fußball bezogen haben wir diese Situation nach dem unglücklichen Ausscheiden Ghanas erlebt. Die tanzanische Mannschaft hat noch nie in einem bedeutenden Turnier gespielt und so hofft man natürlich auf den Erfolg anderer afrikanischer Teams. Während der dramatischen Schlussphase und des Elfmeter-Krimis stand die Hütte im wahrsten Sinne des Wortes Kopf. Nach dem Aus löste sich die Fernsehgemeinschaft ganz schnell auf, alle trotteten mit hängenden Köpfen nach Hause und am nächsten Tag hat niemand mehr von diesem Ereignis gesprochen. Und so hat auch uns heute einfach der normale Alltag wieder mit den finanziellen Zwängen des Hospitals. Peter plant mit Mr. Njaala Veränderungen des Personaleinsatzes, um mit Arbeitszeitverschiebungen und Schichtarbeit endlich die vielen Überstunden abzubauen, ich werde aus einem Zettel mit handgeschriebenen Prüfungsfragen für die Schwesternschülerinnen einen ordentlichen Fragebogen entwerfen und anschließend zum dritten Mal wegen eines Stempels zur Beglaubigung von Zeugnissen in`s „Bürgermeisterbüro“ nach Malinyi fahren. Doch heute Nachmittag werden wir ganz bestimmt nachlesen, was die Presse in Deutschland schreibt und noch einmal ein bisschen traurig über das enttäuschende Spiel und das Ende des Traums vom WM-Titel sein. Diese Mannschaft hätte ihn verdient.

Auch diese Jungs hat das Fuß"ball"fieber erfasst

Kommentare:

  1. Auch hier geht die Welt ohne Fußball weiter. Viele werden froh sein, wenn alles vorbei ist. Randaliert wird nach einem Sieg und nach einer Niederlage, die Polizei kann einem Leid tun. Nur gut, dass in den Dörfern die Leute noch einigermaßen normal sind. Freude und Leid lagen natürlich auch bei uns beieinander. Die Niederlage haben wir ja gemeinsam mit Claudia und Bernd gesehen, sie ist ja im Moment vom Fußball bedient.
    In Zukunft nur freudige Ereignisse wünschen MuV

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  2. Hallo Beate und Peter, habe seit längerem Eure Berichte interessiert verfolgt. Es liest sich sicher viel einfacher als es ist, denn der tägliche Kampf mit den Bedingungen und um die Existenz des Krankenhauses verlangt bestimmt all Eure Energie. Uwe und ich würden euch im nächsten Jahr wehr gern besuchen, wenn es geht. Die hohen Temperaturen üben wir zur Zeit hier schon, denn täglich über 30°C bis zu 39°C und (bei uns in der Uckermark) kein Regen seit 4 Wochen macht uns auch zu schaffen, so können wir wettermäßig mit euch mitfühlen.. In diesem Sinne noch viel Erfolg bei eurer täglichen Arbeit wünschen Uwe und Katrin PS: Ich hätte der mannschaft auch den WM-Titel gegönnt, aber so bleibt die Hoffnung auf die nächste WM...

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