Mittwoch, 16. Februar 2011

Fehlstart

Über den Ärger mit unseren defekten Geräten hatte ich schon berichtet, die Reparatur des Kopierers war richtig teuer und auf unseren Charger für die Solaranlage, den wir vor 4 Wochen in Dar es Salaam abgegeben haben, warten wir noch immer. Während der abendlichen Generatorlaufzeit können die Batterien nicht aufgeladen werden und der Sonnenstrom reicht tagsüber nicht aus, alle Geräte zu versorgen. Seitdem müssen wir mit permanenten Stromnetzzusammenbrüchen leben. Für den OP-Trakt gibt es jetzt einen sparsamen kleinen Generator, den wir extra für diesen Zweck als Notstromaggregat von Peters privater Spende in Dar es Salaam gekauft haben.

Auf der Fahrt dorthin ereilte uns die schon fast obligatorische Reifenpanne, allerdings diesmal nicht nur mit Plattfuß sondern total zerfetztem Reifen, der erst im Oktober letzten Jahres neu gekauft war. Mit dem Ersatzrad kamen wir glücklicherweise ohne Zwischenfall bis Morogoro. Den Ernstfall mit weiterer Untewegs-Panne möchte ich mir gar nicht vorstellen, hier gibt es schließlich keinen ADAC, auf den man warten kann...

Keine Qualität: Reifen aus Ostafrika

Wie immer war unsere Einkaufs- und Erledigungsliste sehr lang und diesmal stand auch ein Bankbesuch auf dem Programm. Es soll möglich sein, für unser Bankkonto einen online-Zugang zu bekommen, mit welchem wir immerhin unseren Kontostand abrufen können – mehr geht sowieso nicht. Die SOLIDARMED-Chefin ist öfter in Dar, hatte diesen Zugang schon beantragt, eine Bestätigung mit Passwort für das erste Login auch erhalten, funktioniert hat es nicht. Das Bankgebäude war schnell gefunden, die eisgekühlten Glaspaläste sind schließlich nicht zu übersehen. Wir vermuteten den benannten Mitarbeiter in einer der oberen Etagen oder wenigstens in einem separaten Büro. Aber er saß mitten in der Schalterhalle, wie alle anderen „Kundenberater“ umringt von unzähligen Kunden, die ihm alle irgendwelche Zettel vor die Nase hielten und zuerst bedient werden wollten. Es herrschte die unglaublichste Drängelei und Unordnung, die man sich in einem Bankgebäude einfach nicht vorstellen kann und die so gar nicht zu den eher zurückhaltenden Tanzaniern passt. Das Drängeln überließ ich Peter, irgendwann erhielt er einen aktuellen Kontoauszug, ein Formular mit einer weiteren Unterschrift und das Versprechen, dass der online-Zugang in den nächsten 3-4 Tagen freigeschaltet wird. Unser Berater klang sehr überzeugend und trotz fast einem Jahr Tanzania-Erfahrung glaubten wir ihm – es funktioniert bis heute nicht.


Die Trockenzeit war bzw. ist diesmal sehr lang und der Wasserspiegel weit abgesunken, was bedeutet, dass schon morgens kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und nur die Pumpe bleibt. Für den Hospitalbetrieb wird natürlich auch Wasser benötigt und wir müssen ab und zu auf teuren Generatorbetrieb umschalten, um unsere Wasserpumpe in Gang zu setzen, die übrigens auch Ersatzteile brauchte. Wird Infusionslösung hergestellt, muss die Wasserversorgung ebenfalls gesichert werden. Letzte Woche bat der Mitarbeiter, den Generator anzustellen, für die benötigte Menge Wasser braucht er ungefähr 5h. Leider fiel genau in diese Zeit seine Pause und er ist erst einmal für über eine Stunde zum Lunch verschwunden.
Keiner hier begreift, dass fließendes Wasser und Strom etwas Besonderes sind. Man weiß, dass es schon vormittags kein Wasser mehr gibt, dreht die Hähne trotzdem bis zum Anschlag und wenn das Wasser wieder fließt, muss sich erst einmal jemand finden, der die Hähne wieder zudreht. Emma und Charles bilden da übrigens keine Ausnahme. In einem Stationszimmer der Schwestern war ein Wasserhahn überdreht, ließ sich also gar nicht mehr schließen. Und es störte niemanden, dass das Wasser unaufhörlich weiter lief, wenn der Generator angestellt wurde, auch das Licht brennt dann tagsüber in allen Räumen. Selbst unsere so umsichtige Matron verlor darüber kein Wort, sie haben dafür einfach kein Gespür.

Anfang Februar nahmen für 3 Tage die Auditoren das Hospital unter die Lupe. Ihr Urteil war nicht gerade berauschend, für mich aber nicht unerwartet. Nachdem feststand, dass Njaala zum Studium geht, nahm im Juli des vergangenen Jahres unser junger unerfahrener Buchhalter seine Arbeit auf und zu diesem Zeitpunkt wurde auch das von SOLIDARMED favorisierte Buchhaltungsprogramm eingeführt. Zwar gab es umfangreiche Unterstützung von deren versiertem Buchhalter und bei Nachfragen hörten wir stets ein hakuna shida Dr. (kein Problem) doch ganz so war es eben nicht. Jedenfalls gab es einige Abweichungen der Buchungen von den Papierbelegen, die auch nicht unbedingt vollständig erfasst waren, was bei seiner losen Zettelwirtschaft allerdings nicht verwundert. Es war natürlich unsere Dummheit, das Jahr 2010 nicht als Testlauf zu deklarieren, bei der Einführung neuer Software gibt es schließlich immer Schwierigkeiten. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Doch so ein Ergebnis wird hier schnell abgehakt. Alle schauen nach vorn und nächstes Jahr wird es besser.

B.







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