Donnerstag, 7. Oktober 2010

Ein Scheck unterwegs

Am Ende eines jeden Quartals muss unsere Internetgebühr bezahlt werden, etwas über eine halbe Mio. Schilling. Das ist viel Geld, nicht nur für unser von Finanzsorgen geplagtes Hospital- aber der Anbieter in Arusha ist Monopolist, bestimmt die Preise und ist nicht gerade kundenfreundlich. Das Hospital hat bei der National Mikrofinance Bank (NMB) ein Konto, online-Banking wird nicht angeboten, so erfolgt die Bezahlung von Rechnungen per Scheck.

Für die Bezahlung der Internetgebühr wird in Lugala ein Scheck ausgefüllt- wie immer- Dr. Hellmold und Mr. Moses unterschreiben. Der Scheck muss nun nach Ifakara gebracht werden- dafür muss man jemanden finden, der nach Ifakara fährt und den Scheck mitnimmt. Das gelingt auch, doch nach ein paar Tagen wird der Scheck wieder nach Lugala gebracht: die Unterschriften stehen nicht an der richtigen Stelle. Die vorherigen Schecks waren genauso unterschrieben- diesmal stehen die Unterschriften eben nicht an der richtigen Stelle, deshalb: ein neuer Scheck. Ein Freund unseres Fundi Kuandika will nach Ifakara fahren- Kuandika bekommt einen Umschlag mit dem neuen Scheck und soll ihn mitgeben. Einige Tage später, wir sind mittlerweile in Dar es Salaam, um Gäste des Lugala-Arbeitskreises vom Flughafen abzuholen, erhalten wir einen Anruf von Mr. Matimbwi, dem Solarstromexperten, der schon seit einigen Jahren nicht mehr im Hospital arbeitet. Er informiert uns über einen Anruf aus Arusha: es wurde noch immer kein Geld überwiesen und der Internetzugang soll gesperrt werden. Kritik wird hier nie direkt ausgesprochen, sondern immer über Umwege angebracht, in diesem Falle über den ehemaligen Mitarbeiter. Eine Nachfrage bei Kuandika: ja, ja sein Freund hat den Scheck mitgenommen. Noch eine Nachfrage: hat er den Scheck abgegeben? Nun ist der Freund per Celfon nicht zu erreichen.

Ein kleiner Einschub: am nächsten Morgen soll ein Mitarbeiter mit dem Bus nach Moshi fahren, um 50 kg Natriumchlorid und 25 kg Dextrose für die Infusionsabteilung zu kaufen. Abfahrt ist 4 Uhr in Malinyi/Lugala, dann ca. 12 Stunden bis Chalinze, übernachten, am nächsten Tag noch einmal etwa 10-12 Stunden bis Moshi. Dort am übernächsten Tag die Chemikalien einkaufen und in gleichen Etappen zurück nach Lugala, immer mit 75 kg Gepäck.

Wir erfahren, dass Kuandika den Scheck vergessen und ihn diesem Mitarbeiter mitgegeben hat. Dieser hat den Scheck dann einem Fahrgast, der in Ifakara aussteigt, weitergereicht, mit der Bitte, den Umschlag bei SolidarMed abzugeben. Ein Mitarbeiter erledigt die Bankgeschäfte für unser Hospital. Wieder eine Nachfrage: dort ist der Scheck nicht angekommen, er soll sich aber in Ifakara befinden. Wir veranlassen telefonisch, dass unser Kontrollabschnitt aus dem Scheckbuch gescannt und nach Arusha gesendet wird. Einigermaßen erfreulich ist, dass unsere Internetverbindung nicht abgeschaltet wurde. Wie alles hier, wird es erst einmal angekündigt, Taten folgen selten - weder im positiven noch im negativen Sinne. Ob der gescannte Kontrollabschnitt die Firma beruhigt hat oder das Geld überwiesen wurde, wissen wir ein paar Tage später noch immer nicht.

Wenig später erhalten wir von SolidarMed die Nachricht, dass der Scheck eingetroffen ist, bei der Bank eingereicht und nun mit den Unterschriften akzeptiert wurde. Fortsetzung folgt.

Kommentare:

  1. Also, die Geschichte mit den nicht akzeptierten Unterschriften beunruhigt mich, abgesehen von dem ganzen Hin und Her...

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  2. Aber sie sind so ehrlich.....wenn man das in einem anderen Land hören würde, wäre man sicher, der Scheck wäre weg! Gruß, Marianne

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  3. Hallo Peter, Hallo Beate , wir verfolgen stets Eure Abenteuer in LUGALA und sind begeistert wie ihr das alles meistert, zudem sind wir im Augenblick an unserer URLAUBSPLANUNG 2011. Wir hatten Euch versprochen zu kommen und wir wollen Euch 2011 im Sommer oder im Herbst besuchen. Bitte sagt uns wie wir das organisieren sollen, gebt uns bitte einen MAIL Adresse von CLAUDIA die ja schon alles druch hat oder informiert uns. Wäre der Sommer (JULI) oder der Oktober passend ? Im Oktober hat UWE Ferien, da passt es gut, im Sommer natürlich auch. Bitte meldet Euch , unsrer Mail Adresse uwallura@web.de oder kwallura@web.de oder unwistok@gogglemail.com . Liebe Grüße aus der Uckermark Uwe und KATRIN

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  4. ist ja, wenn man's dann so liest, zum Schmunzeln... Unglaublich, dass dieser Scheck nun tatsächlich ankam - es gibt doch noch ehrliche (oder ahnungslose?) Menschen!

    wir senden Euch herbstlich-herzliche Grüße aus der documenta-Stadt Kassel

    Jutta & Ingo

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