Montag, 5. April 2010

Ostern 2010 in Morogoro

Es ist Ostersonntag weit nach 19 Uhr - und wir üben Kiswahili. Dabei meint es das Wetter hierfür richtig gut mit uns - es regnet wiederholt. Schon in der Nacht gab es sehr heftigen Regen und im Bad tropfte es durch. Die Leute hier haben lange auf den Regen gewartet: Reis, Mais, Bohnen und Hirse wachsen, man kann es später zu erschwinglichen Preisen kaufen und es gibt keinen Hunger. So einfach kann das Leben sein.
Nach dem Regen sind die Wege verschlammt, die Stadt Morogoro ist 10 km entfernt und außer Wörter- und Lehrbüchern haben wir bewusst nichts zu lesen mitgenommen. Also bleiben nur Sprachübungen, ein einfaches Beispiel, weil regelmäßig: naenda, waenda, aenda, twaenda, waenda - im Präsens. Im Perfekt: nimekwenda, umekwenda, amekwenda, tumekwenda, wamekwenda. Das Verb heißt im Infinitiv kwenda: gehen.
Ein bisschen hat uns auch das schlechte Gewissen gedrückt- Karfreitag hatten wir noch – freiwillig!- bis zum Mittag Unterricht. Samstag, Sonntag und Montag sind frei und wir sind am Samstag in die nahegelegenen Uluhuru- Berge gewandert.

Blick vom Campus auf die Berge



Mit dem Dalla- Dalla ging es in die Innenstadt, dann Richtung Berge. Rechts und links stehen uralte Mangobäume- die Straße heißt Boma-Road, nach der Boma, einem Stützpunkt der ehemaligen Schutztruppe benannt. Hier hatte auch der kaiserliche Bezirksamtmann sein Quartier. Das Gebäude besteht noch in alter Schönheit und ist neben Postamt, Uhrturm und Bahnhof eines der wenigen Gebäude aus deutscher Kolonialzeit. Ob in Dar Es Salaam oder Morogoro oder wo auch immer, diese einzigartigen erhaltenswerten Gebäude verschwinden und es wird Platz für Neubauten geschaffen – Neubauten der 70 er Jahre in der DDR sind dagegen architektonische Kostbarkeiten. Aber zu unserer Wanderung:
Unser Ziel ist eine Berghütte in den Uluhuru-Bergen. Das Gebäude wurde 1911 als Missionsstation „Schlesien“ gebaut und später als Sprachschule für deutsche Kolonialbeamte unter dem Namen „Edelweiß“ weitergeführt. Heute heißt sie Mornigside. Laut Reiseführer führt ein ca. 8 km Fahrweg bis kurz vor die Station, die letzten 10 min müsste man laufen. Von dieser Fahrstrecke ist nur anfangs noch etwas zu sehen, weiter oben wurde der Weg einfach umgeackert, Felder bis zum Gipfel angelegt und es gibt nur Trampelpfade zwischen Mais, Bananen, Bohnen und Yams. Der Wald wurde komplett gerodet. Einerseits ist dies verständlich: die Menschen müssen auch essen (lt. Statistik sind in Tanzania 47% der Bevölkerung unter 15 Jahren und wir haben noch nie - wirklich noch niemals - so viele kleine Kinder gesehen). Andererseits ist es auch nicht ungefährlich, wie einige Hangrutsche erkennen lassen. Nach ca. 3 h erreichen wir unser Ziel und sind maßlos enttäuscht. Die Morningside ist das Ausflugsziel der Region und hier jedem bekannt. Was haben wir eigentlich erwartet? Eine gepflegte Berghütte mit Bewirtschaftung? Das sind noch deutsche Vorstellungen von einem Ausflugslokal. Die Hütte ist ein verwahrlostes, heruntergekommenes, verrußtes und vermülltes Gebäude, in dem offensichtlich trotzdem ein Wärter wohnt. Dieser ist auch noch ausgesprochen unfreundlich und hat mit Sicherheit das Wort „Besen“ noch nie gehört.



Morningside


Nur die am Giebel erkennbare Jahreszahl weist darauf hin, dass es sich tatsächlich um die Morningside handelt. Einzig der wunderschöne Ausblick auf die gesamte Morogoroebene lohnt den Aufstieg.



Aussicht auf die Morogoro-Ebene


Wir genießen eine Weile diesen Ausblick, dann kommt schon der Höhlenmensch (mehr als eine Höhle ist dieses Loch wirklich nicht) – „Your time is off“.
Über andere Trampelpfade gelangen wir ins Tal und kommen gegen 16.00 Uhr wieder in Morogoro an. Wir sind einigermaßen geschafft, genehmigen uns ein kühles Bier und erleben public viewing ManU-Chelsea. Die Mehrzahl waren Chelsea-Fans mit entsprechendem Outfit und es gab großen Jubel nach dem 2:1. Die Premier-League wird hier mit großem Interesse verfolgt.

Heute Morgen nach dem Frühstück hören wir von der nahen Kirche Afrikapop – der Ostersonntagsgottesdienst wird vorbereitet. Wir sind interessiert und erleben: Rhythmusgymnastik (wie bei einer Cheerleader-Truppe) vor dem Altar, dazu Gesang zum Synthesizer. Die Frauen sind bunt gekleidet mit kunstvoll gebundenen Tüchern auf dem Kopf und um 09.00 Uhr beginnt der Gottesdienst. Das erste Lied ist: „Oh du fröhliche..“, aber warum auch nicht. Schließlich ist die Auferstehung für die kirchliche Gemeinde ein fröhliches Ereignis. Der Gesang der Gemeinde ist, wie schon in Ifakara erlebt, sehr gospelähnlich, mit Jauchzern und Kreischen wie auf einer Dorfkirmes in Thüringen. Wir gehen beizeiten, da die Veranstaltung wohl dauern wird. Gegen 12.00 Uhr ist immer noch Gottesdienst, zwischendurch fröhliches Jauchzen und Jubeln.

Kommentare:

  1. Wir haben Ostern als "Rest der Familie" auch gut verbracht. Im Unterschied zu eurem Ausflug war der Landschaftspark Degenershausen nicht so reizvoll wie euer Blick von den Bergen,aber bei uns gab es Ostereier!
    Soeben haben wir uns weitergebildet. Im Rahmen der Reihe zur deutschen Kolonialgeschichte ging es heute um Ostafrika, u.a. auch um die Rolle der Deutschen bei der Entwicklung einer einheitlichen Landessprache - Kisuaheli. Laßt es Ansporn sein für euch, diese Sprache noch intensiver zu erlernen. Grüße MuV

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  2. So, nun wird es wohl gehen!

    Hallo liebe Freunde,

    ich freue mich dass es Euch so gut geht und Ihr so einen schönen "Urlaub" vom deutschen Leben habt.Seid Ihr noch auf Reisestimmung oder ist die Seele bereits angekommen ?
    Ich hatte Ostern ebenfalls eine schöne Wanderung und einen fantstischen Ausblick- allerdings "nur" über Sachsen.Fliegen habe ich mir bisher noch nicht gönnen können.
    Bei uns ist alles beim Alten. Das Geschäft geht ausnehmend gut, hat aber unbedingt mit Arbeit zu tun. Bis bald und Danke dass Ihr diese Seiten habt, damit ich wenigstens ein bisschen mit sein darf. Viele liebe Grüße von Utta

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  3. Nun ist zwar noch nicht Sonntag, aber da ich jetzt 3 Tage nicht an der Technik sein werde, wünsche ich Dir, lieber Peter alles Gute zum Geburtstag einen schönen Tag und bin ganz gespannt auf die Geschenke, die Du bekommst.
    (Elefanten, Murmeltiere und ggf. Mohrrüben)
    Ich hoffe Ihr seid gesund und froh über Eurer dasein.
    Schreibt mal wieder.

    Liebe Grüße Utta

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  4. Lieber Peter,zum heutigen Geburtstag viele Grüße nach Morogoro. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, daß Du diesen Tag in Tansania begehst.Im Uluhuru-Massiv gibt es nahe des Dorfes Kivuma einen Edelsteinpegmatit im Marmor (mit roten Spinellen), der den in Edelsteinqualität seltenen grünlichen Danburit (Ca-Boro-Silikat)führt.
    Ein herzliches Glückauf auch an Beate
    von den Anonymen aus Wampen

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  5. Lieber Peter,

    auch wenn Du vielleicht gar keine Gelegenheit hast, an Deinem heutigen Geburtstag die "Post" zu lesen, wir schicken Dir liebe Gedanken und wünschen Dir und Beate weiterhin eine interessante Zeit !

    Jutta & Ingo

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  6. Hallo Peter,

    alles Gute zu Deinem Geburtstag und noch viel Freude bei Deinem Großen Abenteuer.

    Uwe

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